Introduction
 Short Version
Ich wurde 1950 geboren. Als ich dreieinhalb Jahre alt war, ging mein Vater von Zuhause fort und zog mit einer anderen Frau zusammen. Ich hatte zwei Brüder und eine Schwester, aber sie waren viel älter als ich. Etwa ab meinem dritten Lebensjahr verbrachten sie die meiste Zeit auswärts. Meine Mutter musste sich von ihrer gescheiterten Ehe erholen. Nach einigen Jahren und großen Enttäuschungen fiel sie in eine Depression, die sie zwar gut versteckte, die aber schließlich zu ihrem Selbstmord im Jahre 1960 führte. Ich glaube, dass sie für mich sorgte, so wie jede Mutter es tut. Es gab einige Gelegenheiten, an die ich mich gut erinnere, als sie sich große Mühe gab, etwas Freude in mein Leben zu bringen. Aber auf Grund ihres seelischen Zustandes kam sie nicht mit einem kleinen Jungen zurecht, der immer Unsinn machte, sobald sie ihm den Rücken zuwandte. Ihre Beziehung zu mir war ziemlich distanziert. Im Alter zwischen sieben und zehn Jahren war ich häufig Zuhause mir selbst überlassen, während meine Mutter einer Teilzeitarbeit nachging. Hätte sie gewusst, was ich gemeinsam mit den anderen Kindern in der Nachbarschaft anstellte, als sie nicht zu Hause war, wäre sie, selbst mit unserem heutigen Maßstab gemessen, bestürzt und besorgt gewesen. Als ich fünf Jahre alt war, wurde ich auf eine Reihe von Internaten geschickt, in den ersten drei Jahren auch in den Sommerferien. Diese Jahre waren besonders schlimm. Internate sind eine starre Umgebung, um darin aufzuwachsen, und eines der Internate war schmutzig und unhygienisch. Disziplin wurde mit dem Stock durchgesetzt, ein heftiger Schlag auf den Kopf und andere Bestrafungen. Häufig kam es zu Schikanen von Gleichaltrigen. Damit umzugehen fiel mir schwerer als mit den Bestrafungen der Lehrer, weil es persönlicher war. Ich konnte unmöglich dem Gefühl der Machtlosigkeit entkommen. Unter Gerechtigkeit verstand man hier etwas ganz anderes und menschliche Zuneigung gab es nicht. Für mich waren diese Schulen eher eine Art Gefängnis, in dem ich es aushalten musste, als ein Ort, an dem man Bildung und Aufklärung erhielt. Obwohl ich oft für etwas bestraft wurde, das ich nicht getan hatte, fand man selten heraus, wenn ich selbst etwas Unrechtes getan hatte. Ich lernte es, richtig hinterlistig zu werden. Das Schulleben war scheinbar dazu da, ‚Männer aus uns zu machen', tatsächlich lehrte es uns aber, unsere eigenen Gefühle zu ignorieren und gegenüber den Qualen anderer gefühllos zu sein. Ich weiß, dass es einige Menschen gibt, die in solch einer Einrichtung glücklich sind, aber für mich war es überhaupt nicht gut. Da ich ein eifriger Geigenspieler war, flüchtete ich jedoch in die Musik und fand darin etwas Befreiung.
Als ich im Alter von 18 Jahren das Internat verließ, schien ich ein liebenswürdiger, großzügiger und sehr humorvoller Mensch zu sein, aber in mir sah es ganz anders aus. Meine Beweggründe waren zum Großteil selbstbezogen und ich empfand, dass ich einige schwerwiegende Unzulänglichkeiten hatte, die mich gesellschaftlich unfähig machten. Ich war einsam und ziemlich stolz. Da in der Schule eine Atmosphäre des Misstrauens herrschte, hatte ich dort keine Freunde. In meiner Heimatstadt hatten die Jugendlichen meines Alters bereits ihre eigenen Gruppen gebildet, und ich hatte keine Möglichkeit dort hineinzukommen. Irgendwie hatte ich mich daran gewöhnt, isoliert zu leben. Meine Internatsjahre hatten gefühlsmäßig ihre Spuren in mir hinterlassen. Ich vertraute niemandem in meiner Altersgruppe. Mit Mädchen war das natürlich etwas anderes; für mich waren sie Engel, die vom Himmel geschickt worden waren! (1970 oder 71, als ich eines Sonntagmorgens auf dem Weg zu einer Spiritistenkirche gerade einen leeren Parkplatz überquerte, begegnete ich plötzlich einem mir bekannten wunderschönen, blonden Mädchen mit langen Haaren. Sie fragte mich, wohin ich ginge. Als ich es ihr sagte, erklärte sie mir, dass Gott in der Bibel, im fünften Buch Mose, den Versuch mit Toten in Verbindung zu treten, eine Gräueltat nennt, und dass wir dies nicht tun sollten. Wäre die Person, die mir das sagte, ein Junge gewesen, hätte ich darüber diskutiert. Aber da es ein Mädchen war, drehte ich mich sofort um und ging direkt nach Hause zurück!)
Da ich unfähig war, Freundschaften zu schließen, begann ich Zuflucht im Alkohol zu suchen. Dies führte dazu, dass ich mich wegen einiger Alkoholdelikte zwei Mal vor Gericht verantworten musste. Nach der Arbeit übte ich jeden Abend zwei Stunden lang auf meiner Geige. Ich war kein großer Geigenspieler, aber das hielt mich nicht davon ab, es dennoch zu versuchen. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater einmal unten an der Treppe nach einer meiner Übungsstunden auf mich wartete. Er machte den Eindruck, als ob er gerade einige schwere, seelische Belastungen hinter sich hätte, und er fragte mich, ob ich etwa einen schlimmen Tag bei der Arbeit gehabt hatte! Ich schloss mich auch einem Amateur-Symphonieorchester vor Ort an. Wie viele junge Männer, stellte ich mir vor, dass meine einzige Hoffnung auf persönliches Glück eine sinnvolle Freundschaft mit einer netten jungen Frau sei - aber dazu fehlte mir die emotionale Reife.


Übersetzt von Gisela Hoffmann
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von James Christian Petzold
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